Hirnmasse, Nervenstränge und Botenstoffe

Was leistet unser Gehirn?

Das menschliche Gehirn hat vielfälgite Funktionen. Dieses besteht aus schätzungsweise 86 bis 100 Milliarden Nervenzellen (auch Neuronen genannt), die durch mehr als 100 Billiionen Synapsen miteinander verschaltet sind.

Im Kern kann es als ein gewaltiges informationsverarbeitendes Netzwerk verstanden werden, das über die vegetativen Funktionen und die (selektive) Wahrnehmung der Außenwelt hinaus organisiert, wie wir fühlen, denken, reden, handeln und uns selber sehen. Das Gehirn formt somit unsere Ich-Identität und ermöglicht uns, sehr fecettenreich zu lernen.

Wie kommunizieren Nervenzellen?

Mit Hilfe von Botenstoffen kommunizieren Zellen, Gewebe und Organe des Körpers untereinander. Die bekanntesten Botenstoffe sind Hormone und Neurotransmitter.

Während Neurotransmitter für das schnelle Weiterleiten oder Blockieren von Informationen im Nervensystem (Gehirn) verantwortlich sind, leiten Hormone ihre Informationen über die Blutbahn an weit entfernte Zielorgane.

Bisher wurden rund 100 Neurotransmitter entdeckt. Es wird aber vermutet, dass es über 1000 verschiedene „Boten des Gehirns“ gibt. Die bekanten werden in drei Kategorien unterteilt: Die Botenstoffe der erste Kategorie übermittelt nur „anregende Informationen“, die der zweiten nur „hemmende Informationen“ die der dritten sind weniger wählerisch, übermitteln beide.

Das Märchen vom Neurotransmitter-Gleichgewicht

Viele Menschen haben eine falsche Vorstellung davon, was die Naturwissenschaft im Bereich Körper, Geist, Seele und Psyche beforscht. Das Experimentierfeld der Naturwissenschaft befasst sich mit dem objektiv messbaren, mit Materie und Energie. Die letzte messbare Instanz der Naturwissenschaft sind die Botenstoffe.

Was aber ist mit der Information, die von den Botenstoffen weitergeleitet und moduliert wird?

Die Informationen, die von den Botenstoffen übermittelt werden, bleiben bei deren Experimente unberücksichtigt. Konkret: Das, was den eigentlichen Menschen ausmacht – sein Fühlen, Denken, Reden und Handeln – bleibt außerhalb des naturwissenschaftlichen Experimentierfeldes. So, als gäbe es das gar nicht.

Leidet ein Mensch unter einer Depression oder anderen seelischen Störungen , dann sprechen naturwissenschaftlich denkende Ärzte und Psychiater schnell von einer Botenstoff-Störung. Oder aber, dass der Neurotransmitterhaushalt wieder ins Gleichgewicht gebracht werden muss. Wer glaubt, dass es solch eine Formel gibt, den müssen wir enttäuschen. Kein Arzt, Psychiater oder Biologe kennt eine solche Formel und wird mit Sicherheit auch nicht finden.

Diese reduktionistische Betrachtungsweise der Naturwissenschaft, die die funktionale und informative Organisation in unserem Gehirn außer Acht lässt, führt uns bei dem Bestreben, psychische und seelische Störungen verstehen und heilen zu wollen, auf Irrwege.

Wenn wir das Problem lösen wollen, dann müssen wir uns sinnbildich gesprochen nicht um den „Boten“, sondern um die „Post“ kümmern, die dieser austrägt. Und die darin befindliche Information ins Gleichgewicht bringen. Dann findet psychische und seelische Heilung statt. Wir benötigen entsprechend eine „informative Gleichgewichtsformel“, was viel einfacher ist.