Psychisches Trauma

Was ist ein psychisches Trauma ?

Der Begriff Trauma wird umgangssprachlich häufig in Bezug auf verschiedendste als leidvoll erlebte Vorkommnisse verwendet, um zu verdeutlichen, dass es sich dabei um eine besondere Belastung für den Betroffenen gehandelt hat.

In den medizinischen Klassifikationssystemen (ICD-10) , die maßgeblich sind für die fachgerechte Beurteilung psychischer und seelischer Störungen, ist der Begriff Trauma jedoch wesentlich enger definiert und schließt nur die Ereignisse mit ein, die

  • objektiv „mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß“ einhergehen oder
  • „die tatsächlichen oder drohenden Tod, tatsächliche oder drohende ernsthafte Körperverletzung oder eine Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit von einem selbst oder Anderen“ einschließt,

… sowie

  • subjektiv „bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“ beziehungsweise mit „starker Angst, Hilflosigkeit oder Grauen“ erlebt wurde.

Nur wenn diese Kriterien erfüllt werden, sprechen wir von einem Trauma mit Krankheitswert – fachsprachlich liegt meist eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vor.

Weniger schwerwiegende psychische Traumata (wie beispielsweise der Schock durch eine Kündigung, Scheidung und Ähnliches), die die Voraussetzungen nach ICD-10 nicht erfüllen, bezeichnen wir als traumatische Blockade oder auch isolierte Blockade.

Wie entsteht ein psychisches Trauma ?

Wenn wir das Wort „psychisches Trauma“ verwenden, dann sprechen wir von einem Erlebnis auf der Zeitachsemit Anfang, dramatischem Höhepunkt und Ende –  dass der Betroffene aufgrund des Schweregrades nicht oder nicht vollständig in sein Langzeitgedächtnis integrieren konnte. Dann passiert es, dass das ganze Erlebnis oder einzelne Erlebnisfragmente im Unterbewusstsein „herumirren“.

Es gibt viele Ereignisse, die ein psychisches Trauma hervorrufen können. Häufige Auslöser sind Unfälle, Überfälle, Naturkatastrophen, ein Todesfall naher Angehöriger, körperliche Gewalt, Verwahrlosung, Geiselnahme, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und Folter.

Wie entsteht ein Trauma im Gehirn?

Hirnforscher sind sich einig darüber, dass das limbische System, und dort besonders die Amygdala, alle hereinkommenden Sinnessignale prüft, bevor sie an den denkenden Teil des Gehirns, die Großhirnrinde (lat. Cortex) weitergeleitet beziehungsweise ganz gefiltert werden. Hauptaufgabe der Amygdala ist es, als angenehm und unangenehm erlebte Konsequenzen mit Emotionen zu verknüpfen und diese abzuspeichern. Weiter ist sie für die Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren verantwortlich.

Aber egal, welche Informationen im Gehirn gespeichert werden, strukturell betrachtet handelt es sich immer um eine Kombination von Kontextkonditionierung und operanter Konditionierung, somit um eine emotionale Konditionierung. Operante Konditionierung bedeutet, dass ein Trauma eine destruktiven Glaubenssystem (psychisches Muster) formt.

Bei drohender Gefahr leitet die Amygdala unmittelbar durch Ausschüttung von Stresshormonen eine körperliche Reaktion ein. Hat man bereits Gefahr, Schmerz oder Leid erlebt – z.B. durch Unfälle, Naturkatastrophen, seelische oder körperliche Gewalt – können Situationen, die von der Amygdala als ähnlich bewertet werden, entsprechende Stressreaktionen, wie Angst, Panik, Übelkeit, Apathie, Ohnmacht, hervorrufen.

Das geschieht unabhängig davon, wie gefährlich die Situation, in der der Reiz ausgelöst wird, wirklich ist. Und es geschieht auch dann, wenn man sich an das ursprüngliche Ereignis gar nicht mehr erinnert. Das Unterbewusstssein „vergisst“ es nicht.

Können Traumatisierungen geheilt werden?

Ja, es gibt diverse Methoden, die sehr effektiv sind. Die bekannteste Methode ist EMDR, die als geschützte Marke zu verstehen ist. Mit anderen Namen und ähnlicher Herangehensweise gibt es auf dem Markt inzwischen diverse Methoden in Coaching und Therapie, um isolierte Blockaden mit und ohne Krankheitswert zu integrieren. Wir arbeiten hier mit dem Methodenbaustein „BSDR Traumatherapie“.

Nur dann, wenn das traumatische Erlebnis vollständig mit all seinen Erlebnisinhalten und Triggerreizen ins Langzeitgedächtnis integriert wird, kann es neuronal ausheilen. Was bleibt ist die bewusste Erinnerung, die dem Menschen signalisiert: Die Gefahr ist vorbei, das Leben geht jetzt weiter.

Für die Integration der Erlebnisfragmente wird eine bilaterale Hemisphärenstimulation, die in der Praxis auch gerne als die „wache REM-Phase“ (Rapid Eye Movement) beschrieben wird, durchgeführt. Hier initiiert der Coach mit winkenden Bewegungen beim Klienten jene schnellen Augenbewegungen, die bei uns Menschen sonst nur im Traumschlaf ablaufen. Die REM-Phase unterstützt die Kooperation beider Hirnhälften bei der emotionalen Verarbeitung von Erfahrungen.

Dadurch werden in rasanter Geschwindigkeit unverarbeitete Stress auslösende oder blockierende Inhalte verarbeitet und neue Informationen und Emotionen in unsere Erlebniswelt eingespeichert und integriert. In der Literatur ist häufig zu lesen, dass die Stress lösende Wirkung über die Augen von Francine Shapiro entdeckt wurde, welche unter dem Begriff EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) bekannt wurde. Diese Methode zählt heute weltweit mit zu den effektivsten Methoden bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD = Post Traumatic Stress Disorder), mit signifikanten wissenschaftlichen Nachweisen.

Können Traumata auch „vererbt“ werden?

Selbst Blockaden und Ängste unserer Vorfahren können unbewusst, und zwar durch das Phänomen der Übertragung, an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. So ist es möglich, dass Ängste und Zwänge einer Klientin auf Ereignisse zurück geführt werden können, die sie  selbst nie erlebt hat.