Das Temperament als Entfaltungsraum für das Ich

Wie entsteht unsere Ich-Identität?

Jeder Mensch ist mit einem Temperament ausgestattet. Aber was ist das Temperament? Umgangssprachlich drückt sich seine Wirkung in Sätzen aus wie: „Der hat ein schwieriges Temperament“, oder: „Sein Temperament ist mit ihm durchgegangen.“ Aber was ist es genau?

Die Suche nach dem Temperament wird als das Bestreben verstanden, umweltstabile Faktoren von der Gesamtpersönlichkeit zu isolieren, die als angeborene oder vorcodierte Muster der reinen Ich-Identität bezeichnet werden können.

Das Temperament muss als ein bipolarer Entfaltungsraum von unbewusst wirkenden Mustern verstanden werden, in dem sich die Ich-Identität im Rahmen seiner Möglichkeiten frei entfalten kann.

Das Temperament, welches der unteren limbischen Ebene unseres Gehirns zugeordnet wird, vermittelt uns das Gefühl: „Ja, so bin ich. Das ist ein Teil von mir.“ Das daraus resultierende Fühlen, Denken, Reden und Handeln wird als fester Bestandteil der eigenen Persönlichkeit erlebt, was Psychiater und Psychologen als Ich-synton bezeichnen. Das Temperament gibt somit unserer Ich-Identität einen Entfaltungsrahmen oder besser: einen Entfaltungsraum.

Das bedeutet , dass all unsere Erlebnisse, die in unserem autobiografischen Gedächtnis gespeichert sind, mit den Mustern unseres Temperaments neuronal „verknotet“ sind.

Immer dann, wenn wir Glückseeligkeit empfinden, werden wir unser Temperament aus einer hohen Schwingung (Potentiale) heraus leben. Wenn wir uns hingegen als Opfer unserer Umstände fühlen, werden wir unser Temperament aus einer tiefen Schwingung heraus leben.

Das Gefühl der Wertlosigkeit und Schuld, das mit einer Depression einhergeht, kann beispielsweise als Ausdruck des Temperaments in unsrem Fühlen, Denken, Reden und Handeln in einer tiefen Schwingung zum Ausdruck kommen.