Übertragene und konditionierte psychische Muster

Wie entsteht unsere psychische Wir-Identität?

Laut Murray Bowens, dem Begründer der systemischen Familientheorie, neigen Familien dazu,  spezifische Muster zu wiederholen und die gleichen Themen über Generationen hinweg immer wieder in Szene zu setzen. Dies können Verhaltens-, Beziehungs- oder Kommuniationsmuster sein, aber auch Ereignisse, die sich von Generation zu Generation auf wundersame Weise wiederholen. Diese „gemeinsamen“ psychischen Muster formen unsere familiäre Wir-Idenitität. Darüber hinaus können natürlich noch andere systemische Wir-Anteile hinzu kommen, wie z.B. als Bürger eines Statters, als Schüler einer Schule usw.

Problematisch wird es immer dann, wenn die Muster unsere unbewusst wirkenden Wir-Idenitität einen destruktiven oder zwangscharakter haben, sodass sie unsere Ich-Identität in seiner freien Entfaltung und damit in der Entfaltung der eigenen Potentiale einschränkt.

Folglich sucht der BSDR®Transformer (Coach oder Therapeut) mit Hilfe des Genogramms nach Ereignissen, Werten, Normen und Regeln die von einer Generation zur nächsten beibehalten oder modifiziert werden. Das Grundgerüst eines jeden Genogramms besteht aus der graphischen Darstellung der biologischen und rechtlichen Beziehung der Familienmitglieder über mindestens drei Generationen, erweitert um Aspekte, die für das Thema relevant sind.

Die konditionierte Wir-Identität

Fallstudie 1: „Ich und der Diktator in mir“
Der Bereichsleiter einer Bankfiliale berichtete, dass er einen beängstigenden Erfolgsdruck verspüre, weil seine anvisierte Karriere ins Stocken geraten sei. Er erwähnte, dass er seit einiger Zeit eine Frau als Chefin hätte, was für ihn kein Problem sei, es aber mit ihr nicht „rund“ laufen würde – könne sich den Grund dafür aber nicht erklären.
Wir unterhielten uns kurz über die Rolle der Frau in seiner Familie und testeten einen zu seinem Thema wichtigen unbewussten Glaubenssatz: „Ich kann eine Frau als Chefin akzeptieren?“ Als Antwort kam prompt ein „Nein“ heraus. Um seine unbewusste Glaubensstruktur tiefer zu verstehen, erstellten wir ein Genogramm seiner Familie mit dem Fokus „Rolle von Mann und Frau“. Nach zehn Minuten testen und „Winken“ erkannte er, dass er viele Denk- und Verhaltensmuster seines Großvaters unbewusst übernommen hatte, die durch den Klienten vereinfacht in einem Satz zusammengefasst wurden: „Frauen gehören hinter den Herd und haben den Anweisungen des Mannes Folge zu leisten.“ … 
Text: Monika Hoyer | Artikel Download

Die übertragene Wir-Identität

Über das Phänomen der transgenerationalen Traumata ist es sogar möglich, dass Ängste und Zwänge eines Klienten auf Ereignisse zurück geführt werden können, die sie  selbst nie erlebt haben. So, wie bei Nicole, die uns wegen Ihrer „Redeangst“ aufsuchte.

Fallstudie 2: „Wie ein Brief in Gefangenschaft über Generationen wirkt“
Nicole Wolters (Name geändert) ist Managerin eines Unternehmens und leitet den Bereich „Market Management and Communication“. Sie bat mich um Unterstützung, um ihre Angst vor Kommunikation in den Griff zu bekommen. Nicole hatte schon viel darüber nachgedacht, aber keine plausible Erklärung für diese Angst gefunden. Freunde und Kollegen bestätigen ihr, bei Vorträgen „eine wirklich gute Rednerin“ zu sein. Doch sie habe Angst davor und wisse nicht warum. „Die Angst abgelehnt zu werden oder als inkompetent zu gelten, geht mir ständig durch den Kopf.“ Zudem spüre sie ähnliche Angst immer öfter im Gespräch mit dem Vorgesetzten oder auch einem Kollegen. Auf der Suche nach der Ursache zeichneten wir Ihr Genogramm und stießen auf eine spannende Familiengeschichte, die Nicole systemisch wiederholte ….

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Genogramm-Nicole.png

Text: Monika Hoyer | Artikel Download