Die acht Anbieter für Psyche, Seele und Geist:

Wer aber darf Psychotherapie anbieten? Generell gilt: Psychotherapie ist eine Form der Heilkunde. Wer diese Dienstleistung anbieten möchte, bedarf dazu der (Heil-)Erlaubnis, die über mehrere Wege zu erlangen ist. Der Gesundheitsmarkt untescheidet in drei Kategorien, bzw. acht „Heilkundliche Anbieter“:

Kategorie 1: Ärztliche Psychotherapeuten

Auch Ärzte, die sich im Studium der Medizin vor allem mit der Mechanik des Körpers beschäftigt haben, können Psychotherapie im Rahmen ihrer Heilerlaubnis gemäß §1 (1) HeilprG  anbieten. Hier gibt es aber große Unterschiede, die zu beachten sind:

  • Fachärzte, deren Ausbildung Psychotherapie umfasst: Diese Gruppe muss in drei Untergruppen unterteilt werden: (1) Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, (2) Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und (3) Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –Psychotherapie. Der Umfang der Weiterbildung variiert innerhalb dieser Untergruppe enorm. Am umfangreichsten ist die Ausbildung für Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
  • Fachärzte mit einer Zusatz-Weiterbildung in Psychotherapie: Diese haben eine umfangreiche Zusatz-Weiterbildung in „Psychotherapie“ absolviert oder eine zeitlich weniger intensive Spezialisierung mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Therapie oder Psychoanalyse.

Inhalte und Umfang der Weiterbildungen sind von den Landesärztekammern der einzelnen Bundesländer gemäß  § 2 Abs. 2 BÄO geregelt. Nur diese beiden Gruppen gelten als ärztliche Psychotherapeuten gemäß § 1 Abs. 1 S. 4 PsychThG.

ACHTUNG! Nur die zuvor genannten Gruppen dürfen ihre Leistungen über die Gebührenordnung der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) abrechnen – dürfen für dieses Privilieg aber nur mit wissenschaftlich anerkannten Methoden arbeiten.

Alle weiteren Ärzte erwerben mit ihrer Approbation zwar eine Heilerlaubnis, dürfen sich aber nicht Psychotherapeuten nennen. Für sie ist nicht das Psychotherapeutengesetz, sondern das Heilpraktikergesetz maßgeblich.   

  • Für alle anderen Ärzte, die Psychotherapie anbieten, gilt: Sie sind nicht auf wissenschaftlich anerkannte Methoden eingeschränkt, haben somit eine Therapiefreiheit. Die Abrechnung erfolgt dann, wie bei den Heilpraktikern für Psychotherapie.   

Ärzte haben die Möglichkeit die körperlichen Ursachen psychischer Erkrankungen zu erfassen und dürfen im Gegensatz zu Psychologischen Psychotherapeuten auch Medikamente (Psychopharmaka) verschreiben. In den ersten beiden Obergruppen werden sich viele Ärzte finden, die ein sehr mechanistisches Weltbild pflegen, das der klassischen Schulmedizin entspricht. In diesem Weltbild gibt es keine unsterbliche Seele, kein Leben nach dem Tod, keinen höheren Sinn und somit auch keine paranormalen Wahrnehmungen. Unser Denken, Fühlen und Handeln wird in diesem Weltbild auf die Mechanik des Körpers mit seinen Botenstoffen reduziert.

Kategorie 2: Psychologische Psychotherapeuten

Die Berufsbezeichnung Psychologischer Psychotherapeut (PP) bezeichnet in Deutschland einen Psychologen, der nach seinem Studium der Psychologie eine 3-jährige Vollzeitausbildung oder 5-jährige Teilzeitausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten nach den Regeln des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) abgeschlossen hat und dadurch die Berechtigung (Approbation) zur eigenständigen Durchführung von Psychotherapie erworben hat.

  • Psychologische Psychotherapeuten sind Diplom-Psychologen, die sich zum Psychotherapeuten für Erwachsene weitergebildet haben.
  • Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten  behandeln psychische Erkrankungen bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden bis zum 21. Lebensjahr. Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten können Psychologie, Pädagogik, Sozialpädagogik oder andere sozialwissenschaftliche Fächer studiert haben.

Die Ausbildungen dieser beiden Gruppen sind durch die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung bundesweit einheitlich geregelt und müssen an einem staatlich anerkannten Ausbildungsinstitut durchgeführt werden.

ACHTUNG: Diese beiden Gruppen dürfen nur mit als wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren arbeiten.

Siehe Psychotherapeutengesetz

Kategorie 3: Heilpraktiker

Das Heilpraktikergesetz hinterlässt bei den meisten Menschen den Eindruck, als sei dort die Ausbildung des Heilpraktikers gesetzlich geregelt, so wie es beim zuvor erwähnten Physiotherapeutengesetz oder anderen Berufsgesetzen der Fall ist. Dem ist aber nicht so.

Das „Heilpraktikergesetz“ verbietet lediglich die Ausübung der Heilkunde ohne staatliche Zulassung und regelt, wie der Antragstellende eine Zulassung zur Heilkunde bekommt. Die Zulassung wird erteilt, wenn die „Überprüfung“ durch das Gesundheitsamt ergibt, dass der Antragsteller keine Gefahr für die Gesundheit der Patienten (Gefahr für die Volksgesundheit) darstellt.

Wer Psychotherapie ausüben möchte, ohne über eine ärztliche Approbation zu verfügen und nicht als Psychologischer Psychotherapeut zugelassen ist, benötigt dafür die entsprechende Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, die über drei Wege erlangt werden können:  

  • Diplom-Psychologen, die ein abgeschlossenes Studium in Psychologie mit dem Prüfungsfach „klinische Psychologie“ besitzt, können die „Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ohne zusätzliche fachliche Prüfung vom Gesundheitsamt beantragen.
  • Heilpraktiker sind mit Ausnahme einiger Beschränkungen ebenso wie die Ärzteschaft befugt, die Heilkunde auszuüben. In der Regel sind sie auf die Behandlung körperlicher Erkrankungen ausgebildet, dürfen aber auch Psychotherapie anbieten.
  • Heilpraktiker für Psychotherapie werden umgangssprachlich auch die „kleinen“ Heilpraktiker genannt, weil deren Heilerlaubnis auf die Psychotherapie und psychosomatische Beschwerden beschränkt ist.

Diese drei Gruppen der Kategorie 3 unterliegen nicht dem Psychotherapeutengesetz, sie genießen Therapiefreiheit. Das bedeutet, dass sie die Methode, mit der Sie arbeiten frei wählen können.

ACHTUNG: Heilpraktiker für Psychotherapie dürfen in ihrem Tätigkeitsfeld und in ihrer praktischen Berufsausübung nicht nur wesentlich mehr therapeutische Verfahren anwenden als Psychologische Psychotherapeuten, auch diagnostisch dürfen sie völlig anders arbeiten.

Sozialministerium Mecklenburg- Vorpommern, 12.9.2003, AZ: IX 302

Ich hoffe, dass Euch dieser Beitrag geholfen hat, etwas mehr Transparenz in den Markt der Heiler für Psyche, Geist und Seele zu bekommen.

Schutz vor strafrechtlichen Konsequenzen

Auch in beruflichen Krise gilt: Coaches dürfen Ängste und Blockaden abbauen und Ressourcen stärken, für die Arbeit an Störungen mit Krankheitswert benötigen auch sie juristisch betrachtet eine Heilerlaubnis! Was aber, wenn die die Grenze zwischen „gesund“ und „psychisch Krank“ nicht eindeutig ist, wenn Coach oder Therapeut in der juristischen Grauzone arbeiten? Was können diese tun, um strafrechtliche Vorwürfe gegen ihre Tätigkeit zu entkräftigen?

Dokumentation kann strafrechtliche Vorwürfe entkräften

Was kann der Coach tun, um strafrechtliche Vorwürfe gegen ihn zu entkräftigen? Dies frage ich den Rechtsanwalt Jari Hansen aus Hamburg und erhalte zwei wichtige Hinweise:

  1. Nur der, der „wissentlich und willentlich die Heilkunde ausübt, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufes berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz zu besitzen, wird gemäß §5 (1) Heilpraktikergesetz mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft, falls keine Rechtfertigung- oder Schuldausschließungsgründe vorliegen.“
  2. Auch der Coach mit Heilerlaubnis darf sich dem Willen des Patienten dnicht hinwegsetzen. Jede Heilbehandlung erfüllt den Tatbestand einer Körperverletzung und wäre ohne eine rechtfertigende Einwilligung strafbar. Eine wirksame Einwilligung kann nur erteilt werden, wenn vorher über alle Risiken der Behandlung aufgeklärt wurde. Wenn in eine Untersuchung nicht eingewilligt wurde und das übermitteln der Diagnose eine psychische Beeinträchtigung erst hervorruft, kann eine gemäß § 223 StGB strafbare Körperverletzung vorliegen.

Um diese beiden Risiken zu umgehen, empfiehlt Jaris Hansen eine sorgfältige Dokumentation der entsprechenden Fälle. Dadurch können strafrechtliche Vorwürfe entkräftet werden. Aber auch dann, wenn eine Heilerlaubnis vorliegt, müssen die Anbieter verschiedenste Dokumentationspflichten erfüllen.

Therapeuten haben eine Aufklärungs- und Dokumentationspflicht

Die Dokumentation sollte ein Aufklärungsblatt zu möglichen Risiken, die Dauer der Behandlungsmaßnahme, Kosten, eine schriftliche Einwilligung und bei Methodenfreiheit auf ein mögliches Abweichen von dem (Schulmedizinischen) Standard enthalten.

Liegen diese Dokumente vor kommt eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung nur noch in Betracht, wenn die Behandlung im höchsten Maße verwerflich ist und gegen die guten Sitten verstößt.